Unsichere Zukunft von Arztpraxen vernichtet Ausbildungsplätze
Pressemitteilung vom 14.11.2006
Magdeburg/Ärztekammer. Das diesjährige Ausbildungsjahr begann mit dem niedrigsten Ausbildungsstellenangebot seit dem Jahr 2000. So hatten am 1. August 2006 lediglich 60 Medizinische Fachangestellte (früher Arzthelferin) einen Berufsausbildungsvertrag in der Tasche. Bis zum 1. Oktober 2006 konnten noch weitere 69 Auszubildende einen Vertrag abschließen, so dass mittlerweile 129 Auszubildende im 1. Ausbildungsjahr 2006 in den Arztpraxen des Landes tätig sind. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es noch 191 Auszubildende und Umschüler.
"Der Rückgang der Ausbildungsstellen ist Ausdruck der unsicheren Zukunft auf Grund der wirtschaftlichen Lage der Praxen. Immerhin haben die Ärzte als Ausbilder eine Obhutspflicht über ihre Auszubildenden. Und wenn sie nicht wissen, ob ihre Praxis die kommenden drei Jahre wirtschaftlich übersteht, dann hüten sich die Ärzte, einen neuen Lehrvertrag zu unterschreiben", erklärt der Vizepräsident der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Friedrich-Wilhelm Onnasch, die Abnahme von Ausbildungsverträgen.
Ursprünglich haben sogar nur 103 Stellen zur Verfügung gestanden. Über das Ausbildungsprogramm Ost 2006 bestand aber noch die Möglichkeit, über mehrere Bildungsträger weiteren 26 Mädchen die Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten zu ermöglichen. Die Anzahl der Plätze war jedoch begrenzt. "Da der Bildungsträger eine deutlich geringere
Ausbildungsvergütung zahlen muss, fanden sich noch Arztpraxen, die zu einem vorhandenen Ausbildungsplatz noch einen zusätzlichen schaffen konnten", so Dr. Onnasch.
Hintergrund:
Gemäß Berufsbildungsgesetz ist die Ärztekammer zuständig für die Ausbildung von Medizinischen Fachangestellten. Aus anfänglich sieben Schulstandorten sind nur noch vier übrig geblieben, in Halberstadt, Halle, Magdeburg und Dessau.
Private Bildungsträger, die Medizinische Fachangestellte als Lehrgangsumschulungen durchführen, gibt es nicht mehr.
Für Rückfragen steht Ihnen Katrin Pohl, Pressereferentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, gern zur Verfügung. Tel.: 0391 - 60 54 78 20.