Ostdeutsche Ärztepräsidenten erinnern an falsche Zuteilungsmedizin in der DDR
Pressemitteilung vom 29.11.2006
Magdeburg/Ärztekammer. Die fünf Präsidenten der Landesärztekammern der ostdeutschen Bundesländer haben im Vorfeld des bundesweiten Aktionstages am 4. Dezember 2006 unter dem Motto: "Patient in Not -- Diese Reform schadet allen" in einem Schreiben an Bundeskanzlerin Merkel an die Erfahrungen mit der DDR-Medizin erinnert. Außerdem machten sie deutlich,
dass bei dem so genannten Reformgesetz der Weg zur Zuteilungs- und Mangelmedizin nicht mehr weit ist.
"Wir sind 1990 dafür angetreten, die staatlich kontrollierte Medizin zu überwinden. Wir haben eine Selbstverwaltung aufgebaut, unter denen die Ärzte den Mut aufbrachten, u.a. den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen. Das ging einher mit einer deutlichen Verschuldungsquote der Praxisinhaber. Wir können sagen, dass wir die Umgestaltung der Medizinlandschaft Ost erfolgreich realisiert haben, obwohl die nahezu jährlichen Kostendämpfungsgesetze die wirtschaftliche Situation der Ärzte sehr belastet", erklärt Dr. Henning Friebel, Präsident der Ärztekammer Sachsen-Anhalt.
Jetzt aber greift die Große Koalition mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz massiv und strukturverändernd in die Regelungskompetenzen der bisherigen Selbstverwaltung der Heilberufe und Krankenkassen ein und erteilt damit Staat und Markt die Vorfahrt. "Aus dem Erleben zweier Gesundheitssysteme lehnen wir ostdeutschen Ärzte die erneute Entwicklung einer zentralistisch geregelten Medizin entschieden ab", so Kammerpräsident Friebel. Erschwerend kommt hinzu, dass für
Praxisinhaber und Krankenhäuser die wirtschaftliche Ungewissheit steigt.
Bestehen bleibt bei dieser Gesundheitsreform auch die Unterfinanzierung des Gesundheitswesens. Denn statt der versprochenen Stärkung eines sinnvollen Wettbewerbs und einer angemessenen Vergütung für ärztliche Leistungen wird die Unterfinanzierung zementiert und die Budgetierung durch Praxisbudgets weitergeführt.
Aus diesen und weiteren Gründen haben die Ärztekammer und Kassenärztliche Vereinigung (KV) die Gesundheitspolitischen Sprecher der Parteien des Landes zu einem Gespräch eingeladen. Im Anschluss und aus Anlass des bundesweiten Aktionstages der Information und Aufklärung über die Folgen der Gesundheitsreform am 4. Dezember 2006 möchten Kammer und
KV, Apothekerkammer, Landesapothekerverband sowie die Landeskrankenhausgesellschaft zu einer Pressekonferenz einladen.
Termin:
Montag, 04. Dezember 2006, um 11.30 Uhr
InterCityHotel Magdeburg,
Bahnhofstr. 69, 39104 Magdeburg.
Bei Fragen steht Ihnen Katrin Pohl, Pressereferentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, gern zur Verfügung. Tel.: 0391 - 60 54 78 20.