Presse

Ärztekammer beobachtet Trend mit Sorge:

Kinderärzte in Sachsen-Anhalt ohne Nachwuchs?

Pressemitteilung vom 09.10.2007

Magdeburg/Ärztekammer. Den Kinderärzten in Sachsen-Anhalt droht ein massives Nachwuchsproblem. Darauf weist Ärztekammermitglied Dr. Barbara Knittel hin, die als Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Städtischen Klinikum Magdeburg tätig ist. "Wir haben in den Krankenhäusern keine ausreichenden Mittel zur Verfügung, um genügend junge Ärzte in dem Bereich Kinder- und Jugendmedizin auszubilden. Die Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses wird über die Krankenkassen nicht zusätzlich finanziert. Die ärztliche Mitarbeiterzahl berechnet sich nur anhand der Fallzahl und der erbrachten stationären Leistung im Fachbereich", weiß Chefärztin Dr. Barbara Knittel. Die Entwicklung in den letzten Jahren mit geringen Geburtenzahlen, Verlagerung von stationären Leistungen in den ambulanten Bereich, Betreuung von kranken Kindern in Erwachsenenkliniken und damit verbundene rückläufige Fallzahlen in der stationären Kinder- und Jugendmedizin haben zur Reduktion von Kinderkrankenhausbetten, aber auch von Kinder- und Jugendärzten geführt. "Bisher konnten wir an unserem Klinikum wenigstens in zweijährigen Rhythmus eine Ausbildungsstelle für Kinder- und Jugendmedizin anbieten. Der Trend geht aber zu weniger. Noch problematischer stellt sich die Situation in kleineren Kinderabteilungen dar, aber auch in den Hochschulkliniken ist die Ausbildungsfrequenz von Weiterbildungsassistenten für Kinder- und Jugendmedizin rückläufig", so das Kammerversammlungsmitglied.

Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt beobachtet diesen Nachwuchsmangel auch schon seit längerem. Waren im Jahr 2000 noch insgesamt 494 Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin berufstätig, so ging deren Zahl bis Ende Dezember 2006 auf 372 zurück. "Für die kommenden Jahre sehe ich ein akutes Nachwuchsproblem aufgrund des Altersdurchschnitts der Kinderärzte. Zahlreiche Ärzte werden in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen. Junge Ärzte als Nachfolger fehlen jedoch massiv. So haben wir im niedergelassenen Bereich gerade mal einen Arzt der unter 40 Jahre alt ist. Im stationären Bereich sieht es mit 15 Ärzten etwas besser aus, sollte aber dennoch nicht beruhigen", erklärt Dr. Henning Friebel, Präsident der Ärztekammer Sachsen-Anhalt. Die Statistik verdeutlicht, dass allein in den kommenden zehn Jahren 114 Kinderärzte altersbedingt aus dem aktiven Berufsleben ausscheiden. Dem gegenüber stehen zu wenige neu ausgebildete Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin in Sachsen Anhalt. Hier entsteht schon bald das Problem, dass sich für etablierte Kinderarztpraxen keine Nachfolger finden. Daher werden wohl die kleinen Patienten bald ohne einen Kinderarzt vor Ort auskommen müssen. "Und wenn man bedenkt, dass die Hausärzte gerade auf dem Land bereits ausgebucht sind, besteht für die Jüngsten kaum noch eine Chance, ohne lange Wartezeiten einen Arzt aufzusuchen. Hier appellieren wir als Ärztekammer, Anreize zu schaffen, damit angehende Mediziner Lust am Kinderarztberuf gewinnen. Gelingt dies nicht, werden die Kleinsten samt ihren Eltern demnächst im Wartezimmer sehr viel Geduld aufbringen müssen", so Dr. Henning Friebel. Und Dr. Barbara Knittel ergänzt: "Eine flächendeckende kinderärztliche Versorgung insbesondere im stationären Bereich wird perspektivisch in Sachsen-Anhalt nicht mehr gewährleistet sein."

Bei Fragen steht Ihnen Katrin Pohl, Pressereferentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, gern zur Verfügung. Tel.: 0391 - 60 54 78 20.

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