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Auf dem Papier zu viel - auf dem Land zu wenig: Ist der Ärztemangel hausgemacht?

Pressemitteilung vom 09. Novermber 2011

Magdeburg/Ärztekammer. Zum Jahresende 2010 waren in Sachsen-Anhalt 3.259 Ärztinnen und Ärzte in der ambulanten Versorgung berufstätig. Im stationären Bereich arbeiteten 4.544 Mediziner, in Körperschaften und Behörden 309 und in sonstigen Bereichen 139 Ärzte. Damit sind insgesamt 8.251 Ärzte im Land laut Statistik der Ärztekammer berufstätig. So viele, wie noch nie zuvor in Sachsen-Anhalt. Warum sprechen wir aber von einem Ärztemangel, wo das Papier eine andere Sprache spricht?

"Seit Jahren spüren wir in der Ärztekammer Sachsen-Anhalt den zunehmenden Ärztemangel. Das zeigt sich u.a. in den vielen Patientenanfragen zur Vermittlungshilfe von Arztterminen. Ist der Ärztemangel etwa hausgemacht?" Diese Frage warf die Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Simone Heinemann-Meerz, in einem Pressegespräch heute, am 9. November 2011, in der Ärztekammer Sachsen-Anhalt auf.

Rein statistisch gesehen ist kein Ärztemangel zu erkennen. Doch eine genauere Analyse zeigt, dass die Medizin zunehmend weiblicher wird. Außerdem wird heute mehr in Teilzeit gearbeitet. Aus den statistischen Berichten des Landes Sachsen-Anhalt geht hervor, dass sich beispielsweise im Zeitraum von 1999 bis 2008 die Anzahl der Ärzte in Krankenhäusern um 16,8 % erhöht hat. Gleichzeitig hat sich die Zahl der in Teilzeit arbeitenden Krankenhausärzte um 155,4 % erhöht. Nach einer Erhebung der Kammer im Februar 2011 arbeiten in Sachsen-Anhalt 502 Ärztinnen und Ärzte in Teilzeit, davon auch 91 im ambulanten Bereich. "Wer heute Beruf und Familie vereinbaren möchte, ist häufig auf Teilzeitarbeit angewiesen. Daher müssen wir ab sofort die Arbeitsstunden vergleichen und nicht nur die Anzahl der berufstätigen Ärzte", nennt Dr. Simone Heinemann-Meerz objektive Gründe für den bestehenden Ärztemangel. Weitere Gründe sind in der demografischen Struktur zu erkennen. Mit der abnehmenden Zahl der Einwohner in Sachsen-Anhalt wird der Altersdurchschnitt immer höher. Heinemann-Meerz: "Durch diesen steigenden Altersdurchschnitt steigt die Zahl der Patienten mit höherem Behandlungsbedarf bzw. häufigerer und längerer Behandlungsdauer. Die Belastung der praktizierenden Ärzte nimmt trotz Rückgang der Anzahl der Einwohner deutlich zu."

Die Ärztekammer hat einige Möglichkeiten, dem Ärztemangel zu begegnen. Sicher ist, um das heute bestehende Niveau der ärztlichen Versorgung zu sichern, muss die Anzahl der kurativ tätigen Ärzte steigen. Nur so können sich der steigende Behandlungsbedarf in der alternden Bevölkerung und die Reduzierung der Arbeitszeit von Ärzten ausgleichen. Hier setzt die Koordinierungsstelle für die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin, bekannt unter der Abkürzung KOSTA, an. "In Halle kümmert sich außerdem ein regionaler Weiterbildungsverbund um die Interessen der jungen Mediziner, die sich auf den Ausbildungsweg zum Allgemeinmediziner begeben haben. Und nicht zuletzt werden wir als Kammer politisch aktiv, um die Rahmenbedingungen der ärztlichen Tätigkeit zu verbessern. Das angelaufene Stipendienprogramm ist ein hilfreicher Weg. Doch darüber hinaus benötigen wir weiter verbesserte Strukturen, damit die bei uns ausgebildeten Mediziner auch im Land bleiben. Da kann und muss die Politik uns hilfreich zur Seite stehen", fordert die Kammerpräsidentin.

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