Pressemitteilung vom 11. Januar 2012
Magdeburg/Ärztekammer. 40,4 Milliarden Euro Verwaltungskosten im Gesundheitswesen. Die Unternehmensberatung AT Kearney ermittelt diese alarmierende Zahl für das Jahr 2010 in ihrer jüngst veröffentlichten Studie. In Zeiten klammer Kassen - gerade im Gesundheitswesen - ist dies eine erschreckende Meldung.
"Seit Jahren beklagen wir Ärzte den übertriebenen und zeitraubenden Bürokratismus. Das Ergebnis der Studie bestätigt die Problematik und holt sie endgültig auf die aktuelle Agenda. Auf Grund der vorliegenden Diagnose muss nun eine passende Therapie gefunden werden", erklärt die Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Simone Heinemann-Meerz. Anlass war ein Pressegespräch, das im Vorfeld zum gemeinsamen Neujahrsempfang der Heilberufler Sachsen-Anhalts am 11. Januar 2012 in Magdeburg stattfand.
Von jedem gezahlten Euro Kassenbeitrag stehen lediglich 77 Cent für die direkte Patientenversorgung zur Verfügung. Den übrigen Teil verschlingt die Verwaltung. Die Studie geht von einem Einsparpotenzial von 13 Milliarden Euro aus, wodurch eine Senkung des Krankenversicherungsbeitrages von 15,5 auf 14,2 Prozent erreicht werden könnte.
"Auf der Suche nach einem Weg in eine bezahlbare und patientengerechte Gesundheitsversorgung für alle Versicherten dürfen diese Zahlen nicht unberücksichtigt bleiben. Die aufgeblasene Bürokratisierung muss daher nicht nur gestoppt, sondern auch auf ein sinnvolles Maß reduziert werden", erklärt die Kammerpräsidentin. In Bezug auf die im November erfolgte Pressekonferenz zum Thema Ärztemangel führt sie fort: "Neben der Kostensenkung würde weniger Bürokratie die Attraktivität des Arztberufs erheblich steigern. Solange ein Drittel der Tätigkeiten eines Klinikarztes reine Verwaltungsarbeiten sind und solange niedergelassene Ärzte mit hohem Verwaltungsaufwand, das Einziehen der Praxisgebühr für die Krankenkassen übernehmen müssen, bleibt der Arztberuf wenig anziehend. Diese Tätigkeiten rauben den Ärzten dringend notwendige Zeiten ihrer eigentlichen Aufgabe: der Versorgung der Patienten."
Vor dem Hintergrund, dass mit 27 Milliarden Euro gut 70 Prozent der Verwaltungskosten von den Gesetzlichen Krankenkassen verursacht werden, fordert Dr. Simone Heinemann-Meerz: "Auch die Ärztekammer ist eine Verwaltungsbehörde. Unser Auftrag ist, den bürokratischen Aufwand für unsere Ärzte in Sachsen-Anhalt auf das vertretbare Mindestmaß zu beschränken. Wenn jedoch 70 Prozent der Kosten allein von den Krankenkassen verursacht werden, muss die Einsicht bei den Kassen wachsen, verantwortungsvoll mit den Versichertenbeiträgen umzugehen. Das kann nur mit schlanken bürokratischen Strukturen gelingen, denn das oberste Ziel einer adäquaten und umfassenden medizinischen Versorgung sind bezahlbare Beiträge für die Versicherten. Hierfür muss die Politik die entsprechenden Weichen stellen."