Ärztliche Weiterbildung in Sachsen-Anhalt
Wo stehen wir?
Nach 2009 ist nun auch die zweite Runde der "Evaluation der Weiterbildung
in Deutschland" beendet. Die Ergebnisse der Befragung haben sich im
Vergleich zu 2009 im Mittel in allen Fragenkomplexen verbessert. Die
Globalbeurteilung fällt mit der Note 2,44 gut aus (2009: 2,54). Dieser Trend
spiegelt sich auch in den weiteren Fragenkomplexen wider. Mit Gut (2,09)
bewerten die Weiterzubildenden die Betriebskultur. Zufrieden sind sie auch
mit der Vermittlung von Fachkompetenz (2,29) und mit der Führungskultur
(2,32).
Unmittelbares Ziel der erneut sehr aufwendigen Befragung war, die
Rahmenbedingungen ärztlicher Weiterbildung darzustellen sowie Stärken und
Schwächen aufzudecken. Mittelbar soll eine Verbesserung/Beseitigung
erkennbar gewordener Schwächen und Defizite dazu führen, dem Ärztemangel
entgegen zu wirken.
Eine wesentliche Veränderung zur ersten Befragung von 2009 bestand darin,
dass die in Weiterbildung befindlichen Ärztinnen und Ärzte (WBA) ihre
Zugangsdaten zum Webportal nicht mehr durch den Weiterbildungsbefugten
(WBB), sondern direkt von der zuständigen Ärztekammer erhielten. Dies wurde
nach Auswertung der Befragung von 2009, in der Hoffnung, mehr Ärztinnen und
Ärzte in Weiterbildung zu erreichen, geändert, setzte aber nach wie vor
voraus, dass die Befugten der Kammer meldeten, wer sich bei ihnen in
Weiterbildung befindet. Zusätzlich bestand die Möglichkeit, sich als in
Weiterbildung Befindlicher auch direkt an seine Kammer zu wenden, was etwa
zu 15 % genutzt wurde.
In ganz Deutschland wurden 40.039 Weiterbildungsbefugte mit der Bitte um
Teilnahme durch die jeweils zuständigen Ärztekammern angeschrieben. 22.647
WBB meldeten zurück, dass sie aktuell keine/n in Weiterbildung befindlichen
Ärztin/Arzt betreuen. Somit verblieben noch 17.392 Weiterbildungsbefugte,
davon waren 9.276 (53,3 %) aktiv an ihrer eigenen Befragung beteiligt.
Weitere 1.442 meldeten ihre in Weiterbildung befindlichen Ärztinnen und
Ärzte, ohne den Fragebogen auszufüllen.
Die Rücklaufquote der Weiterbildungsbefugten konnte in Sachsen-Anhalt im
Vergleich zur ersten Befragung von 58,03 % auf 68,60 % gesteigert werden.
Damit liegen wir im bundesdeutschen Vergleich im guten Mittelfeld (siehe
Tabelle 1).
| Landesärztekammer (LÄK) |
Anzahl WBB (aktiv) |
Anzahl WBB (geantwortet) |
Rücklaufquote (RLQ) in % |
| LÄK Baden-Württemberg |
2.663 |
957 |
35,94 |
| Bayerische LÄK |
2.650 |
1.501 |
56,64 |
| ÄK Berlin |
1.309 |
499 |
38,12 |
| LÄK Brandenburg |
491 |
354 |
72,10 |
| ÄK Bremen |
174 |
125 |
71,84 |
| ÄK Hamburg |
416 |
262 |
62,98 |
| LÄK Hessen |
1.745 |
301 |
17,31 |
| ÄK Mecklenburg-Vorpommern |
368 |
259 |
70,38 |
| ÄK Niedersachen |
1.272 |
617 |
48,51 |
| ÄK Nordrhein |
1.779 |
1.033 |
58,07 |
| LÄK Rheinland-Pfalz |
644 |
462 |
71,74 |
| ÄK des Saarlandes |
262 |
163 |
62,21 |
| Sächsische LÄK |
928 |
638 |
68,75 |
| ÄK Sachsen-Anhalt |
484 |
332 |
68,60 |
| ÄK Schleswig-Holstein |
540 |
434 |
80,37 |
| LÄK Thüringen |
389 |
254 |
65,30 |
| ÄK Westfalen-Lippe |
1.278 |
1.084 |
84,82 |
| Deutschland |
17.392 |
9.276 |
53,33 |
Tabelle 1: WBB-Befragung; Rücklaufquote |
Von den in Weiterbildung befindlichen Ärztinnen und Ärzten beteiligten
sich in Sachsen-Anhalt jedoch nur 32,14 % an der Evaluation (siehe Tabelle 2).
Hierfür muss es Gründe geben, die im Rahmen der Auswertung zu hinterfragen sind.
| Landesärztekammer (LÄK) |
Anzahl WBA (gemeldet) |
Anzahl WBA (geantwortet) |
Rücklaufquote (RLQ) in % |
| LÄK Baden-Württemberg |
6.495 |
2.251 |
34,66 |
| Bayerische LÄK |
8.661 |
3.860 |
44,57 |
| ÄK Berlin |
2.750 |
900 |
32,73 |
| LÄK Brandenburg |
1.502 |
668 |
44,47 |
| ÄK Bremen |
677 |
336 |
49,63 |
| ÄK Hamburg |
1.854 |
1.033 |
55,72 |
| LÄK Hessen |
3.718 |
409 |
11,00 |
| ÄK Mecklenburg-Vorpommern |
1.175 |
520 |
44,26 |
| ÄK Niedersachen |
3.756 |
1.613 |
42,94 |
| ÄK Nordrhein |
6.041 |
1.958 |
32,41 |
| LÄK Rheinland-Pfalz |
2.872 |
809 |
28,17 |
| ÄK des Saarlandes |
749 |
232 |
30,97 |
| Sächsische LÄK |
2.673 |
1.579 |
59,07 |
| ÄK Sachsen-Anhalt |
1.400 |
450 |
32,14 |
| ÄK Schleswig-Holstein |
2.110 |
929 |
44,03 |
| LÄK Thüringen |
1.233 |
574 |
46,55 |
| ÄK Westfalen-Lippe |
5.460 |
2.397 |
43,90 |
| Deutschland |
53.126 |
20.518 |
38,62 |
Tabelle 2: WBA-Befragung; Rücklaufquote |
Nachfolgend einige ausgewählte Befragungsergebnisse:
| |
Sachsen-Anhalt 2009 (Schulnote) |
Bundesdurchschnitt 2009 (Schulnote) |
Sachsen-Anhalt 2011 (Schulnote) |
Bundesdurchschnitt 2011 (Schulnote) |
| Globalbeurteilung |
2,56 |
2,54 |
2,30 |
2,44 |
| Fachkompetenz |
2,45 |
2,52 |
2,14 |
2,29 |
| Lernkultur |
2,27 |
2,39 |
2,48 |
2,29 |
| Führungskultur |
2,37 |
2,45 |
2,13 |
2,32 |
| Fehlervermeidung |
2,88 |
2,81 |
2,70 |
2,67 |
| Entscheidungskultur |
2,19 |
2,21 |
2,02 |
2,13 |
| Betriebskultur |
2,20 |
2,12 |
1,99 |
2,09 |
| wissenschaftlich begründete Medizin |
3,71 |
3,52 |
3,09 |
3,25 |
Für 2011 sind in Sachsen-Anhalt z.B. die folgenden Fragen
mit entsprechenden Bewertungen versehen worden:
(1= trifft voll und ganz zu bis 6 = trifft überhaupt nicht zu)
| In der vertraglich geregelten Arbeitszeit kann ich die Arbeit
zu meiner vollen Zufriedenheit erfüllen. |
2,71 |
| In der vertraglich geregelten Arbeitszeit kann ich die Weiterbildung
zu meiner vollen Zufriedenheit erfüllen. |
3,08 |
| Die notwendige Infrastruktur (z.B. PC-Arbeitsplatz, Internetzugang)
ist vorhanden, damit ich meine Arbeit effizient ausführen kann. |
1,78 |
| Durch administrative Auflagen werde ich in meiner Arbeit
am Patienten eingeschränkt. |
3,33 |
| Durch administrative Auflagen werde ich bei meiner Weiterbildung
eingeschränkt. |
3,51 |
| Über wichtige Entscheidungen der Krankenhausleitung, welche meine
Weiterbildung betreffen, werde ich rechtzeitig informiert. |
3,16 |
| Die vom Gesetz vorgeschriebene Arbeitszeitregelung wirkt sich
negativ auf meine Arbeit am Patienten aus. |
4,70 |
| Die vom Gesetz vorgeschriebene Arbeitszeitregelung wirkt sich
negativ auf meine Weiterbildung aus. |
4,67 |
| Werden die für Ihren Arbeitsbereich tariflich vereinbarten Regelungen
bezüglich der Arbeitszeit eingehalten? |
2,34 |
Weitere Befragungen ergaben für 2011:
- zu 90,45 % fallen bundesweit Mehrarbeit bzw. Überstunden an
- 58,60 % der Mehrarbeit/Überstunden werden in Deutschland dokumentiert
- 13,46 % der bundesweit dokumentierten Mehrarbeit/Überstunden werden
nicht ausgeglichen bzw. bezahlt
- zu 59,63 % betreut in Sachsen-Anhalt in erster Linie der Oberarzt
die Weiterbildung (Deutschland: 62,56 %)
- 38,72 % der WBA erhielten in Sachsen-Anhalt weder mündlich noch
schriftlich einen strukturierten Weiterbildungsplan (Deutschland: 42 %)
- 32,19 % vereinbarten in Sachsen-Anhalt weder mündlich noch schriftlich
konkrete Weiterbildungsziele/Lernziele (Deutschland: 32,70 %)
Wie bereits 2009 zeigen die Ergebnisse der aktuellen Befragung bundesweit,
dass nach wie vor der ökonomische Druck den Arbeitsalltag der Ärztinnen und
Ärzte in Weiterbildung bestimmt. Unbezahlte Überstunden, eine enorme
Arbeitsverdichtung und immer mehr nichtärztliche organisatorische Tätigkeiten
sind an der Tagesordnung. Mehr als die Hälfte der Weiterzubildenden (ca. 52 %)
hat das Gefühl, dass sie in der vertraglich geregelten Arbeitszeit ihre
Aufgaben nicht zur Zufriedenheit erfüllen können. Rund 60 % der
Weiterzubildenden dokumentieren, dass die zunehmende Bürokratie die
Patientenversorgung und die Weiterbildung gleichermaßen behindern. Von den
Weiterzubildenden, die Bereitschaftsdienste ausüben, können fast 30 % nie
oder nur selten die Ruhezeiten gemäß Arbeitszeitgesetz einhalten. Auch
müssen 66 % nach Beendigung ihres Bereitschaftsdienstes weiter arbeiten.
Diese Darlegungen sollten bei Ihnen das Interesse für Mehr wecken.
Den Bundes- und Länderrapport können Sie dazu auf dieser Seite einsehen.
Jeder einzelne Weiterbildungsbefugte, für den eine ausreichende Anzahl an
Rückmeldungen von in Weiterbildung befindlichen Ärztinnen und Ärzten
vorliegt, kann seinen individuellen Befugtenbericht noch bis zum 31.03.2012
im passwortgeschützten Bereich des Webportals unter
www.evaluation-weiterbildung.de
einsehen. Danach wird von der ETH Zürich das Portal geschlossen.
Über Möglichkeiten eines späteren Zugriffs mit Hilfe der Ärztekammer
Sachsen-Anhalt werden wir Sie informieren.